
Eine Orientierung in den Ebenen der Wirklichkeit – ergänzt um die Rollen des natürlichen und des künstlichem Zensors
Es gibt in der modernen Naturwissenschaft nur wenige Modelle, die den Versuch unternehmen, Materie, Information, Bewusstsein und Sinn nicht als getrennte Bereiche zu behandeln, sondern als unterschiedliche Ausdrucksformen einer zusammenhängenden Wirklichkeit, deren Ursprung in den geistigen Dimensionen verankert ist.
Burkhard Heim war einer der Ersten, der diesen Zusammenhang nicht nur philosophisch vermutete, sondern mathematisch nachwies und strukturell beschrieb. Sein dimensionsphysikalisches Modell stellt keine spekulative Metaphysik dar, sondern eine konsistente Architektur der Wirklichkeit, die von der Raumzeit bis zu jenen Ebenen reicht, in denen Identität, Bedeutung und Möglichkeit verankert sind.
Für das Verständnis dieses Modells ist entscheidend, dass Heim die Wirklichkeit nicht als vierdimensionalen Raum begreift, sondern als mehrschichtiges Gefüge unterschiedlicher Dimensionsebenen. Diese Ebenen ersetzen einander nicht, sondern beschreiben denselben Gegenstand aus verschiedenen Ordnungsstufen heraus. Der bewusste Wechsel zwischen ihnen macht Zusammenhänge sichtbar, die aus einer einzigen Perspektive verborgen bleiben würden.

1. Raumzeit – der Erfahrungs- und Ereignisraum (X₁–X₄ / G₁)
Die unterste Ebene der Wirklichkeit ist die Raumzeit. Sie umfasst drei Raumdimensionen (X₁–X₃) und eine Zeitdimension (X₄). In ihr erscheinen Materie, Energie, Bewegung und Ereignisse. Alles, was messbar, beobachtbar und historisch erfahrbar ist, gehört zu dieser Ebene.
Der künstliche Zensor ist innerhalb dieser Raumzeit verankert, insbesondere in der Zeitdimension X₄. Er stabilisiert das gewohnte Selbstbild, indem er Wahrnehmung filtert, reduziert und in bekannte Muster überführt. Funktional entspricht er den heute beschriebenen neuronalen Netzwerken, insbesondere dem Default Mode Network. Der künstliche Zensor erzeugt jedoch weder Sinn noch Bewusstsein. Er besitzt keinen Zugriff auf höhere Ebenen der Wirklichkeit und ist ein reines Produkt der Raumzeit.
2. Struktur- und Dynamikraum – Ordnung und Entwicklung (X₅–X₆ / G₂)
Über der Raumzeit liegen zwei Dimensionen, die Heim als strukturell und dynamisch beschreibt. X₅ steht für Form, Gesetzmäßigkeit, Symmetrie und Struktur – für die Ordnung des Möglichen. X₆ beschreibt Dynamik, Entwicklung, Richtung und Prozesshaftigkeit.
In diesem Buch wird X₆ funktional als Sitz des natürlichen Selektors verstanden. Dieser natürliche Selektor ist kein Ich, kein Bewusstsein und keine psychologische Instanz. Er wirkt vorsprachlich und nicht emotional, sondern ordnend und richtungsgebend. Seine Selektion folgt nicht Angst oder Gewohnheit, sondern Kohärenz, Entwicklungsfähigkeit und innerer Stimmigkeit.
Der natürliche Selektor bildet die einzige dynamische Übergangsfunktion zwischen der Raumzeit (G₁) und den höheren Informationsräumen (G₃). Ohne ihn gäbe es keine Entwicklung, sondern nur Wiederholung.
3. Informationsraum – Bedeutung, Muster und Identität (X₇–X₈ / G₃)
Mit den Dimensionen X₇ und X₈ verlässt das Modell den Bereich der klassischen Physik. Diese Ebenen enthalten weder Raumzeit noch Energie. Sie sind rein informatorisch.
X₇ beschreibt den Raum der Selektion, der Perspektive und der Identität. X₈ beschreibt den Raum der Information, des Gedächtnisses und der Muster. Hier sind Bedeutung, Sinn und Identität als strukturierte Information verankert, noch nicht als Erfahrung.
Der künstliche Zensor besitzt in dieser Ebene keinerlei Funktion. Auch der natürliche Selektor wirkt hier nicht als dynamische Instanz, sondern nur als vermittelnde Struktur. G₃ bildet die Voraussetzung dafür, dass Wahrnehmung überhaupt Bedeutung annehmen kann.
4. Bewusstsein und Seele – jenseits der Zensorik
Bewusstsein ist keine Dimension und kein X-Raum. Es ist eine Beobachter- und Selektionsfunktion, die im Übergangsbereich zwischen Informationsraum (G₃) und Möglichkeitsraum (G₄) wirksam wird. Bewusstsein ermöglicht Auswahl, Perspektive und das Entstehen von Realität überhaupt.
Bewusstsein ist weder identisch mit dem künstlichen Zensor noch mit dem natürlichen Selektor. Es wirkt oberhalb der Zensorik.
Die Seele ist nicht identisch mit Bewusstsein. Sie ist die zeitübergreifende Wesens- und Resonanzstruktur eines Individuums. Sie bestimmt, welche Möglichkeiten auswählbar sind und welche Wirklichkeiten sich realisieren können. Bewusstsein selektiert nicht beliebig, sondern in Übereinstimmung mit der Struktur der Seele.
5. Möglichkeits- und GeistRaum (X₉–X₁₂ / G₄)
Die Dimensionen X₉ bis X₁₂ bilden den von Heim selbst beschriebenen G₄-Raum. Dieser Bereich ist zeitlos, nicht lokal und akausal. Hier existieren Möglichkeiten, Identität und Sinn nicht als Ergebnisse, sondern als Ursprünge.
Dieser Raum ist praktisch nicht beobachtbar. Es gibt keinen direkten Zugriff auf ihn. Wirkung entsteht ausschließlich über Resonanz und Auswahl. Heim beschreibt diesen Bereich als den Raum, in dem alles möglich ist.
6. Apeiron – Grenze des Beschreibbaren
An der oberen Grenze des Modells steht das Apeiron. Es ist keine zusätzliche Dimension, sondern die Grenze der Darstellbarkeit. Hier verlieren Begriffe wie Raum, Zeit, Struktur und Information ihre Bedeutung.
7. UrSchöpferEbene – jenseits des Modells
Jenseits des Apeiron kann nur noch begrifflich von einer UrSchöpferEbene gesprochen werden. Sie ist kein Raum, keine Dimension und kein Objekt, sondern der Grund, aus dem Ordnung, Sinn und Möglichkeit hervorgehen.
Zusammenfassender Gedanke
In diesem Modell sind zwei grundsätzlich verschiedene Selektionsinstanzen zu unterscheiden: der künstliche Zensor, der ausschließlich innerhalb der Raumzeit operiert und das gewohnte Selbst stabilisiert, und der natürliche Selektor, der auf der Ebene der Dynamik wirkt und Entwicklung ermöglicht.
Jede höhere Ebene bestimmt die darunterliegende, doch keine niedrigere Ebene erklärt die höhere. Raumzeit erklärt Bewegung, aber nicht Sinn. Information erklärt Muster, aber nicht Bewusstsein. Möglichkeit erklärt Vielfalt, aber nicht Ordnung.
Das Heim’sche Modell macht sichtbar, warum Bewusstsein nicht im Gehirn lokalisiert werden kann und warum der künstliche Zensor ausschließlich ein Produkt der Raumzeit ist. Der Mensch erscheint darin als ein multidimensionales Wesen: körperlich in der Raumzeit, strukturell getragen, informatorisch geprägt und im Ursprung verwurzelt.
Dieser Exkurs bildet die Grundlage für das Verständnis der folgenden Kapitel.